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Warum man sich im Leben immer zweimal trifft

Gerade erinnere ich mich an deine Worte und auf groteske Art und Weise scheinen sie mir nun sehr zynisch.

Du hast von irgendeinem "Schicksal" gesprochen, welches dafür verantwortlich gewesen sein sollte, dass sich unsere Wege trennten, damals. "Wenn es nicht sein soll, dann soll es nicht sein, das hat die Erfahrung gezeigt. Ich vertraue da einfach auf das Schicksal." Und dieses "Schicksal", welches auch dafür verantwortlich sein würde, wenn wir uns irgendwann, eines Tages wieder über den Weg laufen sollten. "Wenn es unser Schicksal ist, dann werden wir uns wiedersehen. Und wenn nicht, dann soll es eben nicht sein." Ich gebe zu, die Umstände waren nicht optimal, meine Phantasie hat mir da wohl einen Streich gespielt, der kindliche Traum nach Freiheit, nach einem besseren Leben. Der Wunsch nach einer grenzenlosen Welt, nach Unabhängigkeit, einfach weg, einfach aussteigen, raus aus dem System, das uns eingeengt hat, damals.

Momentan engen uns die feuchten Wände des Erdloches ein, während sie uns viel mehr Schutz geben. Ein Ort, an dem ich nie damit gerechnet hätte, dich wiederzutreffen. Wie ironisch das Schicksal doch sein kann. Du sagst kein Wort, bietest mir nur schweigend eine Zigarette an und ich nehme sie, wir rauchen ohne einen Ton von uns zu geben. Von Weitem ist das Grollen des täglichen Donners zu hören, ab und an erkenne ich dein verschmiertes Gesicht, wenn ein neuer Feuerball am Horizont durch das Baumdickicht leuchtet, bevor dunkle Wolken sich darüberlegen. Du hast dich nicht wesentlich verändert, du bist nur etwas älter und hässlicher geworden, genau wie ich.

Fast muss ich lachen, wenn ich mich erinnere, an meine eigene Naivität, mit der ich zu dir sprach, mit der ich dich an meinen Gedanken teilhaben ließ. Ich bereue keinen Augenblick in deiner Gesellschaft, ich amüsiere mich nur über mich selbst. Es war damals, als der Hass in mir aufkeimte, der mich bis zum heutigen Tag am Leben gehalten hat. Es war damals, als ich die Zähne zusammenbiss und anfing, mich damit abzufinden, allein auf der Welt zu sein, so wie jeder andere Mensch auch. Manchmal habe ich mich gefragt, was aus dir geworden ist. Manchmal habe ich mich gefragt, ob ich versuchen sollte, mit dir Kontakt aufzunehmen, aber wie konnte ich schon gegen das allmächtige Schicksal ankämpfen? Möglicherweise bin ich bitter geworden, andererseits habe ich gelernt, auch ohne einen Kameraden auszukommen, mit dem ich jede Schlacht bestritten hätte, wenn ich die Möglichkeit dazu gehabt hätte.

Umso lächerlicher ist unser Wiedersehen heute. Du siehst mich an, als ob du mich nicht mehr kennst, aber ich sehe genau in deinem Blick, dass du dich erinnerst. Wir haben bisher kein Wort miteinander gesprochen und ich bin mir sicher, dass sich das nicht ändern wird. Warum sollten wir auch, nicht wahr? Ich lache kurz und ziehe an der Zigarette. Du schaust nur einen kurzen Moment zu mir, wendest dich dann wieder dem Ring an deinem Finger zu, den du betrachtest als führe dies zu einer Erleuchtung. Das Schicksal hat uns wohl wieder zusammengeführt, aber entgegen meiner Vorstellungen von diesem Augenblick, fühle ich in mir keine heiße Freude und Hoffnung auf eine zweite Chance, sondern nur eine dumpfe Leere. Ich bin nicht bitter, ich bin wohl einfach nur erwachsen geworden.

Mir ist klar, dass ich dich nicht brauche, dass auch du mich nicht brauchst. Ich kann nicht anfangen, objektiv nachzuvollziehen, was zwischen uns je gewesen ist, aber ich weiß, dass es vorbei ist, und dass es gut so ist. Und so drücke ich die Zigarette im Matsch aus, schultere meine Ausrüstung und mache mich auf den Weg, weiter in die Richtung des dumpfen Grollens und der hellen Blitze. Ich schaue nicht zurück, ein Teil von dir wird immer bleiben, ist Teil von mir geworden, Teil meines Stolzes, meiner Stärke, mit der ich nun meinem eigenes Schicksal entgegentreten werde.

Ohne dich.

 (Verfasser unbekannt)

24.11.09 01:28

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(24.11.09 02:56)






































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